• Foto: Port of Rotterdam

Die fünfte Modalität


Im Rotterdamer Hafen wird nicht nur daran gearbeitet, bei Wasser, Straße, Schiene oder Pipelines an der Spitze zu stehen – sondern auch an der fünften Modalität: Informationsfluss.


Die niederländische Hafeninfrastruktur erhielt vom Weltwirtschaftsforum schon mehrmals die Auszeichnung als beste Hafeninfrastruktur der Welt. „Eine gute Infrastruktur ist unabdingbar für das Wachstum und die Entwicklung eines Hafens“, so Emile Hoogsteden, Vizepräsident der Sparte Container, Massenstückgut und Logistik beim Hafenbetrieb Rotterdam. „Es wurden und werden Milliarden investiert, beispielsweise in die Erweiterung des intermodalen Netzes, den Bau der Maasvlakte 2, neue Kaianlagen und hochmoderne Terminals. Abgesehen von der baulichen Infrastruktur ist die digitale Infrastruktur von großer Bedeutung: Indem wir mehr Trans parenz schaffen und Daten teilen, können wir die Logis tikkette noch viel effizienter und zuverlässiger machen.“

„Das müssen wir auch tun“, fährt Hoogsteden fort. „Wir befinden uns nicht in einer Zeit von Veränderungen, sondern brechen in eine neue Epoche auf. Durch den Wechsel von fossilen zu erneuerbaren Energien und die Anwendung von Informationstechnologie in allen Bereichen des Zusammenlebens steht die ganze Gesellschaft, vor allem die Häfen, am Vorabend großer Entwicklungen. Deshalb setzen wir auf Innovation. Diese kann man zwar nicht erzwingen, erst recht nicht, wenn es um die Digitalisierung geht. Wir können jedoch ein Klima schaffen, in dem die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass Innovation stattfindet und an den Markt anknüpfen kann. Wir vom Rotterdamer Hafen sorgen mit allen denkbaren Mitteln und Ideen dafür, indem wir kontinuierlich die ganze Innovationskette begleiten.“

Hoogsteden berichtet hierzu von dem eigens gegründeten Start-up-Unternehmen Rotterdam Logistics Lab sowie der Unterstützung der Forschung an Universitäten, wie dem Port Innovation Lab an der Technischen Universität in Delft und Projekten an der Rotterdamer Erasmus-Universität. Der Rotterdamer Hafen beteiligt sich an Wettbewerben für Studenten und unterstützt zudem das Kompetenzzentrum SmartPort und weitere niederländische Start-ups, die für den Hafen relevant sind. Über PortXL sucht der Hafen weltweit nach hoffnungsvollen Talenten für die Innovation.

„Unser Hauptziel ist es, die richtigen Bedingungen zu schaffen, damit Unternehmen weiterhin in den Rotterdamer Hafen investieren und wir neue Aktivitäten anziehen können. Konkret wollen wir es den Kunden, wie beispielsweise Reedereien, Terminals oder Verladern, so einfach wie möglich machen. Dafür ist es essenziell, dass die Beteiligten die Möglichkeiten der Digitalisierung verwenden können. So streben wir durch den Austausch von Informationen und Planungen eine deutliche Verkürzung der Wartezeiten beim Laden und Löschen an. Das bedeutet kürzere Durchlaufzeiten für Schiffe, wodurch Reedereien zehntausende Euros sparen können“, erklärt Hoogsteden.

Er fährt fort: „Aber ich denke in diesem Rahmen auch an unser Projekt zur Optimierung der Schiffsabfertigung in den Terminals, das wir gerade durchführen. Auf der Basis von uniformen internationalen Standards für Tiefgang und Zulassungsregeln können wir Reedereien in Echtzeit mit einem Internetprogramm über den besten Beladungsgrad informieren, damit die Schiffe einerseits so viel Ware wie möglich transportieren und andererseits flexibel die Anfahrt geeigneter Terminals planen können. Auch das senkt schnell die Kosten, weil die Verweilzeiten der Schiffe im Hafen sinken.“ 

Ein weiteres Digitalisierungsprojekt für die Optimierung der Schiffsabfertigung ist Pronto. Diese Online-Kommunikationsplattform hilft Schiffsagenten und anderen Operatoren bei der Planung von Schiffdiensten. Pronto zeigt alle Schiffsdienstleistungen, wie Lotsendienst, Bunkerbetriebe, Schiffsabfertigung und -befestigung in Echtzeit und dynamisch auf einer Zeitleiste an und ermöglicht so eine bessere und schnellere Planung. Hoogsteden sagt: „Das Teilen von Informationen zwischen allen Beteiligten verbessert die Sicherheit und Effizienz jeder Dienstleistung und optimiert die Schiffsanläufe.“ Die administrative Abwicklung eines Hafenbesuchs wurde im letzten Jahr durch die Einführung des digitalen Dienstes Melding Schip 2.0 zur Schiffsanmeldung verbessert. „Dieser Service wurde in Zusammenarbeit mit dem Hafenmeister von Amsterdam, dem Zoll und verschiedenen anderen Betrieben entwickelt. Dies zeigt, dass echte Innovationen durch Zusammenarbeit entstehen“, berichtet Hoogsteden.

Bei der Digitalisierung geht es nicht nur um Daten- und Informationsaustauch. Auch an das Internet der Dinge angebundene Systeme leiten die nötigen Schritte für eine Abfertigung von Schiffen ein. Die Containerterminals von APM, RWG und ECT auf der Maasvlakte sind hier schon hoch entwickelt, wobei große Teile des Prozesses automatisiert sind und unbemannt ausgeführt werden. Auch bei den Kaianlagen wird im Moment experimentiert. „Die Poller und Kaimauern sind heute noch nicht intelligente Infrastrukturen“, führt Hoogsteden aus. „Im Zuge der Digitalisierung können sie mit intelligenten Sensoren ausgestattet werden, was ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Rotterdam hat bereits heute ein flächendeckendes LoRa-Netzwerk (Long Range Low Power). Das Ablegen von den Kais ist heute noch ein papiergestützter Prozess. In der Zukunft wird aber der Kai selbst die Information weitergeben, dass ein Schiff abgelegt hat und der frei gewordene Platz wieder genutzt werden kann.“

Ein komplett anderes, aber ebenso im Hafenumfeld relevantes Innovationsgebiet ist das 3D-Drucken. Auch diese Entwicklung unterstützt der Rotterdamer Hafen aktiv: „Wir arbeiten an einem Projekt, bei dem Schiffsteile wie Schrauben, Verschlüsse und Flüssigkeitsleitungen mit einem 3D-Drucker hergestellt und getestet werden. Dies dient der Vorbereitung eines 3D-Druckzentrums in unserem Hafen, mit dem wir beispielsweise Reedereien etwa zukünftig schnell und genau mit Ersatzteilen bedienen werden können“, sagt Hoogsteden.

Die Digitalisierung der Lieferkette verläuft übrigens nicht reibungslos, so Hoogsteden. „Der Logistiksektor ist ziemlich konservativ. Konkurrierende Betriebe tun sich schwer, ihre Daten zu teilen. Die Angst vor Missbrauch durch den Konkurrenten besteht, dessen sind wir uns bewusst. Mit unserem Innovation-Eco-System und durch die Zusam - menarbeit mit Branchenführern konzentrieren wir uns darum auf das Sammeln jener Daten, die den Kunden ermöglichen, bessere Entscheidungen zu treffen, wie beispielsweise Daten über verfügbare Transportmittel.“ 

Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung ist die Fähigkeit zur Abwehr von Cyberattacken für den Rotterdamer Hafen ein notwendiges Thema im Risikomanagement. Darum wurde Hafenmeister René de Vries als Port Cyber Resilience Officer angestellt. Er trägt die Verantwortung über ein Programm, das gemeinschaftlich die Möglichkeiten zur Abwehr von Cyberattacken auf den Hafen verbessert, mehr Bewusstsein für Cyber- Sicherheit schafft, die Schlagkraft von Organisationen erhöht und Prozesse für das Risikomanagement aufbaut.

„Sie sehen, Digitalisierung und spezielle Innovationen in diesem Bereich sind für uns extrem wichtig“, fasst Hoogsteden zusammen. „Nicht, weil wir wieder der weltgrößte Hafen werden wollen, verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Die Größe macht es aus und wir setzen uns absolut dafür ein, in Europa der größte Hafen zu bleiben, aber wir wollen vor allem der intelligenteste Hafen der Welt werden: intelligent beim Umgang mit natürlichen Ressourcen und intelligent beim Mitdenken über effiziente Logistiklösungen für unsere Kunden. Die Digitalisierung hilft uns dabei, dies zu verwirklichen. The Smartest Port – Make it happen!“



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